Unter dieser Rubrik ...

... wollen wir Ihnen interessante Neuerungen vorstellen, Sinn und Unsinn mancher Entwicklungen verdeutlichen und in einer Kolumne darstellen, was uns bewegt.

Das Märchen von der richtigen Sitzposition ...

... die über das senkrechte Lot von der Kniescheibe durch die Pedalachse ermittelt wird:

Sitzposition mit der richtigen Sattelhöhe einnehmen und den Sattel so lange verstellen, bis ein Lot, das man an die Kniescheibe hängt, durch die Pedalachse des waagrecht nach vorne gestellten Pedals läuft. So einfach ist das! Zumindest wird das in Bikezeitschriften, die irgendwie das Sommerloch füllen müssen, und auch von einzelnen Bikefitting-Experten so behauptet.

Wir Deutschen, Vermessungs- und Normierungsweltmeister! Ein wenig Geometrie:
Die Sitzhöhe ermittelt sich aus der Beinlänge, soweit unstrittig. Wird nun also der Sattel auf der richtigen Höhe festgestellt und solange verschoben, bis - wie beschrieben - das Lot durch Knie und Pedalachse läuft, ergibt sich für jeden Biker zwangsläufig ein fest definierter Sitzwinkel gegenüber dem Tretlager.

Für diejenigen, die ihren Sattel so einstellen, tut es uns ab hier wirklich leid: Sitzwinkelangaben der Fahrradhersteller sind für sie ab sofort uninteressant, denn es gibt für sie nur einen richtigen Sitzwinkel. Und der gilt fürs Renn- und Triathlonrad genauso wie für das Allmountain- und Trekkingrad. Sollten Sie an Ihrem MTB eine absenkbare Federgabel haben: Bitte bei Absenkung den Sattel nach hinten schieben! Triathlonrad mit 76 Grad Sitzwinkel? Sorry, die anderen werden jetzt leider schneller sein.

Je nach Fahrradtyp wird die Körperhaltung des Radlers nach vorne oder nach hinten gekippt. Ein senkrechtes Lot zum Erdmittelpunkt kann also kein befriedigendes Ergebnis bringen. Vielmehr ist auf die Wirkrichtung aus dem Körperschwerpunkt, dem zentralen Gegenhalter des Drucks auf das Pedal, abzustellen. Und das Ganze ist individuell und je nach Rad sehr verschieden.

Was wir damit sagen wollen? Lassen Sie sich nicht von Experten, die nur Ihr Bestes wollen, mit teuren Messmethoden veräppeln. Fast jede Sitzposition kann verbessert und effektiver gestaltet werden. Dabei helfen wir Ihnen gerne! Aber hören Sie auch zu einem guten Stück auf Ihren Körper. Leider haben wir das in unserem Normierungswahn verlernt! Nur wer sich wohlfühlt, fährt gut und gerne Rad.

TPU statt Butyl oder tubeless?

Eine neue Variante des Schlauchs hält gerade in die Reifen Einzug: TPU!

TPU steht für thermoplastisches Polyurethan, grob gesagt eine Art Plastik. Wir haben die TPU-Schläuche getestet und wollen sie euch deshalb vorerst nicht anbieten. Die Ausfallquote (Platzen beim Anpumpen; Druckverlust; Probleme beim Flicken, da TPU Schläuche außerhalb des Reifens nur leicht aufgepumpt werden dürfen und das Loch dann oft gar nicht aufmacht) und der hohe Preis sprechen für uns vorerst noch gegen diese Variante.

Ölst du noch oder (heiß)wachst du schon?

Ach herrje, noch eine Diskussion ohne eindeutiges Ergebnis. Kurz zusammengefasst:

Wer Lust auf die Vorbereitung einer Kette mit ökologisch bedenklichen Entfettern hat, sich aus den vielen guten Ratschlägen zu der richtigen Wachstemperatur die einzig richtige rausgesucht hat, danach 150 km die Kette einfahren will (bis sich das Wachs aus den bewegten Teilen wieder rausgerubbelt hat und wieder leichtgängig ist), nach jeder Tour seine Kette mit einem Tuch sauber macht, möglichst nicht bei Nässe fährt und sein Rad in einem Gebäude aufbewahrt (gewachste Ketten rosten in Verbindung mit Feuchtigkeit, da reicht auch Tau), und es schafft, das obligatorische Nachwachsen mit flüssigem Wachs (auch hier scheiden sich die Geister, ob das nach 400 km oder erst 1000 km notwendig ist) bereits am Vorabend der Tour vorzunehmen, der kann über Wachs nachdenken.

Wer sich morgens kurzentschlossen aufs Rad setzt, die Kette spontan kurz ölt und keine Angst vor schmutzigen Fingern oder Wadln hat, Mehrtagestouren mit Fahrradstellplatz im Freien unternimmt, auch bei Nässe und Schmutz unterwegs ist, der sollte beim Ölen bleiben.

Theoretisch - und das theoretisch wollen wir betonen - ist der Verschleiß bei gewachsten Ketten geringer, da weniger Dreck anhaftet, der wie Schmirgelpapier wirkt. Dadurch halten auch Ritzel und Kettenblätter länger. Ob das Argument wirklich belastbar ist? Bei Bremsscheiben und -belägen nutzen sich die hinteren in der Regel stärker ab, da das Vorderrad Dreck und Staub aufwirbelt, der dann wie besagtes Schmirgelpapier vor allem hinten wirkt. Und es ist (hoffentlich) davon auszugehen, dass eine Bremsscheibe nicht gewachst oder geölt ist. Ergo sollte da kein Schmutz haften bleiben, der dann wie Schmirgelpapier wirkt, und trotzdem tut er es. Und bei der Kette soll das funktionieren? Na ja ...

Zu den Kosten: Ein Set zum Heißwachsen mit Topf, Halter und dem richtigen Wachs kostet gleich mal soviel wie zwei Ketten. Stundenlohn nicht eingerechnet.

Alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden!

Wir starten unsere Schrauberkurse wieder und arbeiten die Interessenentenliste ab. Sie können sich per Mail oder Telefon vormerken lassen. Wir kommen dann mit Terminvorschlägen auf Sie zu. Gerne auch Gruppen bis max. 5 Personen.

Impressum | Datenschutzerklärung | Haftungsausschluss